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KeyTec: Medizin – „Hundertjährige die so fit sind, wie heute ein 60jähriger“

Wir möchten alt werden, aber dabei nicht alt sein. So lässt sich mit einem Satz zusammenfassen, was wir von der Medizin in Zukunft erwarten. Die Entwicklung der Schlüsseltechnologien und die exponentiellen Steigerungen in Rechnerleistung und Speicherkapazität befeuern natürlich auch die Fortschritte in der Medizin.Wolfgang Gehrer Blog altes Paar

Im Artikel über Nanotechnologie haben wir schon gesehen, wie Mini-Roboter und Nano-Wirkstoffe zukünftig zum Beispiel Krebszellen lokal und differenziert erkennen, identifizieren und vernichten können.

Wie im Artikel über Langlebigkeit beschrieben, sind die Fortschritte in Genetik und Prothetik beeindruckend. Bei Langlebigkeit geht es darum weit über 100 zu werden und die Chancen stehen gut.

Aber Genetik kann mehr als nur die bekannten Halunken wie Diabetes, Parkinson, Brustkrebs oder MS zu identifizieren. Unsere Angewohnheit, überschüssige Kalorien, vor allem Fett, einzulagern ist ebenfalls genetisch fixiert. Nun werden wir vermutlich in Zukunft immer weniger körperlich arbeiten. Dieses Problem haben wir ja jetzt schon. Unsere Umgebung wird immer weniger anstrengend, zumindest was den körperlichen Aspekt angeht. Während gleichzeitig Nahrung im Überfluss zur Verfügung steht. Mit Genetik kann, bisher zumindest theoretisch, diese Veranlagung zum Kalorien sammeln ausgeknipst werden. Vielleicht ist das die Lösung für die weltweite Zunahme von Übergewicht.

Welche weiteren Entwicklungen werden zukünftig dafür sorgen, dass wir länger leben, länger gesund und leistungsfähig sind und damit auch in der zweiten Lebenshälfte (die von 50 bis 100) viel Freude am Leben haben? Eine Lebensfreude, welche nicht durch Krankheit und Alterserscheinungen getrübt wird. Was ist der aktuelle Stand und worauf können wir uns zukünftig freuen?

Mitte November 2017 wurde in USA von der FDA ein Medikament zugelassen, welches über einen Sensor[1] (der eine chemische Reaktion mit der Magensäure erfasst), einen Impuls an ein Pflaster sendet. Dieser Impuls wird von dem Pflaster an eine App und von da in die Cloud weiter gegeben. Das Medikament meldet also, dass es genommen wurde. Das erste Medikament dieser Art, „Abilify MyCite[2]„, kann bei Schizophrenie, bipolaren Störungen oder bei einer schweren Depression verschrieben werden. Unnötig zu erklären, wie sinnvoll die Überwachung der tatsächlichen Medikamenteneinnahme bei psychisch Erkrankten sein kann. Aber auch ein weiterer Schritt zum Beispiel bei der Behandlung älterer, dementer oder seniler Patienten.

Seit 2017 gibt es mehrere Geräte, welche den Blutzuckerspiegel messen können. Apples „OneDrop“ zum Beispiel. Aktuell kommen Anwendungen auf den Markt, welche den Blutzucker kontaktfrei messen können. Ohne Pieken.

Armbänder, welche den Blutdruck messen können gibt es bereits und sie werden immer besser, genauer und einfacher zu bedienen. Bluthochdruck ist immer noch ein Problem, welches in der Folge viele Opfer fordert. Die Kenntnis über den eigenen Blutdruck könnte hier ein wichtiger Ansatz sein und die Verkaufszahlen der Geräte belegen auch das Interesse der Patienten an den eigenen Daten.

Eine weitere, erstaunliche Verknüpfung der Medizin mit anderen Technologien demonstriert Alec Momont hat an der TU Delft ein Forschungsprogramm gestartet, in welchem Drohnen eingesetzt werden, um Defibrillatoren zu Menschen mit Herzinfarkten bringen. Die Erste Hilfe Drohne wird durch die Notfallzentrale losgeschickt und ist, je nach Einsatzort, um ein vielfaches schneller am Einsatzort, als die ersten Rettungskräfte oder der Notarzt. Momont spricht von 800.000 Herzinfarkten jedes Jahr in Europa, die Drohen hat also viel zu tun und rettet tatsächlich Menschen das Leben, die bisher sterben bevor die Rettungsteams eintreffen.

Peter Diamandis berichtet über eine Duschzelle, in der sich Fotozellen befinden. Kleine Digicams, sehr viele Digicams, die ein Rundum-Foto des Nutzers erstellen, während er duscht. Beim nächsten Duschvorgang wieder und wieder und wieder. Die Bilder werden gespeichert und die Hautoberfläche wird von einem Programm anschließend analysiert und auf Hautveränderungen untersucht. Eine sehr einfach und relativ günstige (Digicam werden immer billiger, momentan schon im Cent Bereich verfügbar) Methode um Hautkrebs und andere dermatologische Veränderungen früh zu erkennen und behandeln zu können. Aktuell noch nicht verfügbar, aber denkbar und sicher demnächst auf dem Markt.

Krebszellen BlogIn der sogenannten personalisierten Medizin werden (unter anderem) Medikamente entwickelt, die individuell auf Patienten zugeschnitten sind. Krebs zum Beispiel wird nicht nur von außen betrachtet und behandelt. Mit Hilfe moderner Verfahren ist es immer besser möglich, den individuellen biochemischen Aufbau des ungewollten Zellhaufens zu entschlüsseln und zu verstehen. So könnten spezifischere, wirksamere Behandlungen eingesetzt werden, mit geringeren bis gar keinen Nebenwirkungen. Krebs ist individuell, zukünftig wird es die Behandlung auch sein.

Der mehrfach erwähnte Ray Kurzweil schätzt, dass ungefähr ab 2030 unser Gehirn über Nanoroboter direkt mit dem Internet verbunden sein wird. Ein Nano-WLAN-Router sozusagen, mit direkter Koppelung an Seh- oder Hörnerven. Klingt ein bisschen sehr nach Science Fiction, aber bisher lag Ray mit seinen Vorhersagen meistens (über 80%) erstaunlich nahe an der Wirklichkeit.

Eine derartige Verknüpfung macht aber auch eine neue Art von Medizin möglich. Das direkte Auslesen von Schmerzimpulsen aus dem Körper z.B. ermöglicht eine völlig neue Form der Suche bei Schmerzpatienten.

Smiley Daumen hoch BlogZusammenfassend sehen wir, dass unsere (medizinische) Zukunft durchaus rosig ist. Viele Krankheiten werden ausgerottet werden. Die Haupt-Todesursachen wie Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall werden immer besser behandelt und sogar schließlich komplett zu verhindern sein. Die größten Ängste der Menschheit haben viel mit Krankheit, Tod, Siechtum und Schmerzen zu tun. Das alles wird zukünftig besser werden.

[1] Hersteller: Das US-Unternehmen Proteus Digital Health

[2] Hersteller: Das japanische Unternehmen Otsuka Pharmaceutical

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