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KeyTec: Raumfahrt “ Der Weltraum, unendliche Weiten“

„Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir befinden uns in einer fernen Zukunft. Dies sind die Abenteuer des neuen Raumschiffs Enterprise, das viele Lichtjahre von der Erde entfernt unterwegs ist, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen. Die Enterprise dringt dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“ Eine ganze Generation wuchs mit dem Star Treck Intro auf und verstand den Weltraum und Raumfahrt im Wesentlichen als Science Fiction. Was es damals auch war.Raumfahrt Blog Gehrer

Als 1957 mit der russischen Hündin „Leika“ das erste Lebewesen ins All flog, dürften das die wenigsten als Start ins Weltraum-Zeitalter wahrgenommen haben. Vielleicht 1969, als tatsächlich der erste Mensch den Mond betrat. Aber unabhängig von den Reisen in die unendlichen Weiten haben wir heute bereits viele technische Gadgets, von denen wir als Teenie-Trekkies noch geträumt haben. Der „Communicator“ heißt heute Smartphone und ist ein Alltagsgegenstand geworden. Der „Replikator“ ist in weiten Teilen durch 3-D-Druck Wirklichkeit geworden. Das „Holodeck“  ist technisch machbar und holographische Technik wird bereits in vielen Bereichen eingesetzt. Der „Tricoder“ ein medizinisches Diagnosegerät wurde,, nach einem XPRIZE Wettbewerb in 2012, in Form eines Gerätes verwirklicht, dass „Patienten besser als oder genauso gut wie ein Gremium approbierter Ärzte diagnostizieren kann.“

Wir sind also weit gekommen, aber was ist mit Raumfahrt an sich?

Nachdem sich in den Anfangszeiten der humanen Raumfahrt ausschließlich Regierungsorganisationen für die Raumfahrt zuständig fühlten, schliefen die Weiterentwicklung und das öffentliche Interesse um die Jahrtausendwende herum ein bisschen ein. Das änderte sich schlagartig, als mit Jeff Besos mit Blue Origin im Jahr 2000, Elon Musk mit Space X in 2002 und Richard Branson mit Virgin Galactic 2004 völlig neue, nicht Regierungs-Organisationen auf das Spielfeld kamen.

Diese Reanimation der Raumfahrt hat gleich mehrere positive Auswirkungen für die Menschheit. Zunächst natürlich die tatsächliche Möglichkeit, früher oder später den Mond, oder den Mars zu kolonialisieren. Wobei die ersten Versuche komplett unabhängige Ökosysteme zu installieren (Wie das bekannte Biosphäre II Projekt) zunächst einmal gründlich gescheitert sind. Aber das werden wir vermutlich früher oder später in den Griff bekommen. Darüber hinaus verschafft uns die dazugehörige Forschung einen sehr guten Einblick in die Funktionsweise unseres irdischen Ökosystems und das kann ja nur gut sein.

Das nächste Problem wären dann die Transport-Kapazitäten. People EarthAktuell leben über 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Wie viele davon sollen denn auswandern? 1 Milliarde? 100 Millionen? Sogar wenn zukünftige Shuttle-Generationen 1.000 Passagiere auf einmal mitnehmen könnten. Dann wären das immer noch 1000 Shuttle-Flüge pro 1 Million Menschen. Die Überbevölkerung (soweit wir so etwas überhaupt haben) werden wir damit so schnell wohl eher nicht in den Griff bekommen.

Die Segnungen der nächsten Zeit kommen aus einer anderen Ecke, würden aber ohne Raumfahrt nie stattfinden. Das beginnt mit privater Raumfahrt. Was zunächst nach einem Luxus-Abenteuer für Superreiche klingt, wird zukünftig neue Transportwege eröffnen. Das von Elon Musk geplante City-to-City-Rocket Projekt ist zumindest eine Überlegung wert. Er denkt dabei an einen Raketenstart auf einer Basis, verlassen der Atmosphäre, Flug und Wiedereintritt in die Atmosphäre, mit anschließender sanfter Landung auf einer zweiten Basis. Ein Flug New York – London würde ca. 30 Minuten dauern. Nicht schlecht oder?

Wie ganz oben im Star Treck Intro schon beschrieben, kommen viele neue Entwicklungen und Überlegungen aus Science Fiktion und Raumfahrt. Diese beiden Gebiete liegen näher zusammen als man zunächst denken würde. Viele der Star Teck-Phantasien von Gene Roddenberry liefern heute noch die Anregungen für technische Entwicklungen. Ideen wie der „Warp“-Antrieb, oder das „Beamen“ werden sogar mit denselben Bezeichnungen entwickelt. Google beschäftigt aktuell 36 Science Fiction Autoren als Ideenlieferanten für neue Projekte. So gesehen ist Raumfahrt also mehr als nur der älteste Wunsch der Menschheit. Es ist eine Forschungs- und Entwicklungssparte, die wir uns leisten sollten.

Spätestens seit dem Eintritt von privaten Unternehmen in die Raumfahrt, wurde die Entwicklung hier unglaublich beschleunigt. Aus welchen Gründen auch immer, in der Regel sind Unternehmer effektiver und schneller als Regierungen. Angetrieben von der exponentiellen, technischen Entwicklung und zusätzlich befeuert von modernem Unternehmergeist, werden wir auch hier eine rapide  Entwicklung verfolgen können. Mit Auswirkungen in viele andere Branchen. Elon Musk zeigt das sehr gut, wie sich Neuentwicklungen bei Tesla oder Space X in der jeweils anderen Branche erfolgreich einsetzen lassen. So wurden z.B. die Brennkammern der Falcon-Rakten von Space X mit einem modifizierten 3D-Drucker gedruckt. In Vollmetall, aus Metall-Teilchen. Eine Weiterentwicklung des Tesla 3D-Print Programmes.

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Was ist nun der aktuelle Stand? Eine kurze Übersicht:

In einer spektakulären Aktion (wie von Musk nicht anders zu erwarten) wurde im Februar 2018 ein Trägerrakete ins All geschossen, welche einen Tesla Roadster als Ladung dabei hat. Die Trägerraketen kehrten anschließend wieder zurück und sollen wieder verwendet werden. Die „Falcon Heavy“ ist doppelt so leistungsfähig wie die bisher stärkste amerikanische Rakete, dabei hat sie aber nur ein Viertel davon gekostet.

Im Januar 2018 hat Virgin Galactic einen erfolgreichen Testflug abgeschlossen, welcher den Weg bereiten soll, für zukünftige Passagierflüge im Orbit. Momentan kostet ein (vorreserviertes) Ticket 200.000.- britische Pfund und es gibt bereits eine Warteliste.

Elon Musk fliegt mit Space X aktuell im Regierungsauftrag Material zur Internationalen Raumstation ISS. Vor gar nicht so langer Zeit wurde er für diese Vision noch ausgelacht.

https://pixabay.com/de/astronaut-weltraumspaziergang-iss-576939/

Jeff Besos plant mit seiner Firma Blue Origin noch in 2018 bemannte zivile Space-Trips für jedermann anzubieten. Die Passagiere sollen für einige Minuten die Schwerelosigkeit erfahren. In der Raumkapsel wird es Platz für sechs Personen geben.

Die amerikanische Regierung denkt langfristig darüber nach, die Raumstation ISS aufzugeben und nicht weiter zu finanzieren. Die NASA hat verlauten lassen, dass eine Privatisierung denkbar sei. Das würde den Weg frei machen für eine kommerziell betrieben Raumstation. Ab 2025 könnte es soweit sein. Mal sehen, welches Unternehmen als neue Adresse „Raumstation ISS“ im Impressum stehen hat.

Wie immer, sind hier die ersten Ergebnisse aufwändig, teuer und für den durchschnittlichen Erdbewohner unerreichbar. Das waren aber Passagierflüge über den Atlantik auch einmal. Heute kann sich das jeder leisten, wenn er will. Es ist also wieder nur eine Frage der Zeit, bis das Weltraum-Zeitalter und Raketenflüge von Kontinent zu Kontinent auch in einer Last-Minute-Variante erhältlich sind.

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