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Longevity – Langlebigkeit – Werden wir alle hundert Jahre alt?

„Who want´s to live forever“ – sang schon Freddy Mercury. Aber wie sieht es wirklich aus mit unserer Lebenserwartung? Bisher war der Tipp der Coaches und Berater immer: „Du kannst nicht deinem Leben mehr Jahre geben, aber du kannst deinen Jahren mehr Leben geben.“ Das ist mittlerweile überholt, wir können inzwischen dem Leben tatsächlich mehr Jahre geben, viel mehr Jahre als zuvor. Langlebigkeit ist in der Realität angekommen (Das hindert uns ja nicht daran diesen Jahren auch mehr Leben zu geben)Alter Großeltern Blog Gehrer

Das Menschen immer älter werden, ist ja kein Geheimnis. Die Kurve der steigenden Lebenserwartung hat am Anfang steil zugelegt. Während um 1870 die durchschnittliche Lebenserwartung noch zwischen 35 und 38 Jahren lag (Männer / Frauen) Waren wir 100 Jahre später, also 1970, schon bei 67 und 73 Jahren, ein dramatischer Anstieg. Dann flacht die Kurve etwas ab und heute sind wir, je nach Quelle, bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung zwischen 77 und 83 Jahren.

Nun liegt es ja in unserer, in anderen Artikeln schon beschriebenen, linearen Denkstruktur, diese Kurve logisch weiter zu führen. Mit anderen Worten wir erwarten keine dramatischen Änderungen im Verlauf. Die letzten 20 Jahre läuft diese Linie mehr oder weniger gerade mit einer ganz leichten Tendenz nach oben. So wird es wohl auch weiter gehen. Eben nicht.

Die atemberaubende Geschwindigkeit der aktuellen Entwicklungen in den hier im Blog beschriebenen Schlüsseltechnologien wird einen massiven Einfluss auf alle Bereiche unseres Lebens haben. Eben auch auf Medizin, Genetik, Biomedizin und andere Bereiche, die in direktem Zusammenhang mit unserer Lebenserwartung und mit Langlebigkeit stehen. Das wird einen ähnlichen starken Effekt erzeugen, wie die Entwicklungen kurz vor und um die Jahrhundertwende 1899-1900.

Die Zukunfts-Experten haben sogar eine Formel entwickelt, um die Auswirkungen der erwarteten Entwicklung darstellen zu können. Hier die Formel: Für jedes Jahr, zwischen deinem jetzigen Alter und deiner aktuellen Lebenserwartung (Frauen 83, Männer 77) darfst du ein weiteres Jahr obendrauf rechnen. Wenn du also 52 bist und männlich, macht das eine Differenz (zu 77) von 25 Jahre aus, welche du obendrauf rechnen kannst. 77 + 25 = 102. Du hast also, dank aktueller Entwicklungen, eine gute Chance 102 Jahre alt zu werden, wenn du nicht vorher vom LKW überfahren, ermordet, oder sonst wie sterbenskrank wirst. Das Beste daran: 102 Jahre in guter Gesundheit und Leistungsfähigkeit, vergleichbar mit einem durchschnittlichen heute 60-jährigen. Die Entwicklung dieser zukünftigen Errungenschaften geschieht so schnell, dass sozusagen unterwegs die Technologie entsteht, die dafür verantwortlich sein wird, dich über die 100er Marke zu bringen.

Das alles passiert gerade wirklich. Ein Beispiel aus der Genetik. The Human Genome Project begann 1990 das menschliche Genom zu sequenzieren. Sie brauchten dafür bis 2003. Das bedeutet aber auch, dass in diesem Zeitraum der praktische Einsatz von Genetik stark eingeschränkt war und damit erst mal auch keinen signifikanten Einfluss auf Langlebigkeit hatte. In diesen 13 Jahren wurde eine unglaubliche Menge an Daten verarbeitet, welche die zur Verfügung stehenden Rechner an ihre Grenzen trieben. Datenmengen, welche heutzutage von einem handelsüblichen Laptop verarbeitet werden können. Das Human Genome Project verschlang über 100 Millionen Dollar. Der aktuelle Stand liegt bei den Kosten bei ca. 1000.- $ pro Sequenzierung und einem Zeitaufwand von ca. 24 Stunden. In naher Zukunft wird es unter 100 $ kosten und innerhalb einer Stunde zur Verfügung stehen.

Unvorstellbar, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben! Jeder Mensch, jedes Neugeborene kann dann relativ unaufwändig sequenziert werden. Das ermöglicht Aussagen über Risikofaktoren für z. B. Parkinson, Diabetes, Herzerkrankungen usw. und wird zukünftig auch direkte Korrekturen ermöglichen. Alleine Genetik könnte vermutlich den versprochenen Anstieg der Lebenserwartung hin zur Langlebigkeit leisten, aber das ist es ja nicht alleine.Bildgebende Verfahren erleben einen ähnlich dramatischen Wandel. Vor gar nicht so langer Zeit mussten Ärzte verschwommene schwarz-weiß Röntgenbilder interpretieren, um in einen Patienten hinein sehen zu können. Dann kamen Verfahren wie CT, MRT und Ultraschall. Der Mediziner der Zukunft wird eine komplexe, hochauflösende, holografische Darstellung des menschlichen Körpers nutzen, um Probleme erkennen und isolieren zu können. Er kann dann störendes ausblenden, sich beispielsweise nur die Gefäße anzeigen lassen und bis aufs kleinste Detail in Teilbereiche und tiefe Schichten hineinzoomen und die Ergebnisse online mit Kollegen überall auf der Welt besprechen. Hochauflösende Kameras, in einer Dusche installiert, scannen täglich die Haut und vergleichen die Aufnahmen mit älteren Aufnahmen, um Veränderungen rechtzeitig zu entdecken und behandeln zu können, auch das wäre eine denkbare Anwendung von bildgebenden Verfahren. Analog zur Genetik, werden hier die Systeme auch immer schneller und besser werden, während gleichzeitig die Preise sinken.

Stell dir vor, du willst dich operieren lassen und überlegst welcher Chirurg den Eingriff machen soll. Dann gibt es einen Parameter, der dir sicher hilft, die richtige Wahl zu treffen: Erfahrung. Ein Chirurg, der seit 25 Jahren mehrmals täglich genau diesen Eingriff durchführt, ist natürlich besser darin, als jemand der das nur ab und an macht. Er kennt alle denkbaren Szenarien, macht (so gut wie) keine Fehler, hat eine Antwort auf alle möglichen Eventualitäten, welche auftreten können. Operations-Roboter werden zukünftig genau das machen. Mit einem, gewaltigen, Unterschied: Sie vernetzen sich und tauschen sich aus. Ein Roboter-Chirurg kennt also alle Fehler, die jemals gemacht wurden, jede Abweichung, die es jemals gab, bei allen OP-Robotern, die es weltweit gibt. Er kennt jeden OP-Verlauf der Geschichte bei dieser speziellen Behandlung und baut darauf seine eigene Handlungsweise auf. Sein Output ist zu 99,9 % fehlerfrei und erfolgreich, besser als jeder menschliche Chirurg das jemals leisten könnte.

Nanotechnologie macht es möglich, kleine und kleinste Maschinen direkt in den Körper zu bringen, Mini-Roboter die im Körper ihren Dienst leisten und sich dann auflösen, Kameras, die injizierbar sind und Bilder direkt aus der Blutbahn liefern, per WLAN. Das ist alles schon real möglich. Vielleicht noch nicht ganz ausgereift und noch relativ teuer, aber wie immer wird das nun sehr schnell gehen. Nanotechnologie in der Medizin wäre alleine mehrere Bücher voll Information wert.Roboter Technik GehrerWie im Artikel über 3D Druck schon ausgeführt, sind hier zeitnah weitere bahnbrechende Entwicklungen zu erwarten. Prothesen aus dem 3D Drucker, welche ein zu eins dem ursprünglichen Körperteil gleichen, sind heute schon Realität. 3D Druck von Implantaten und Ersatzstoffen wie Haut aus körpereigenen Zellen, die nicht mehr abgestoßen wird, ist teilweise schon möglich. Die Verbindung zwischen Mensch und Maschine ist in der Prothetik schon so weit fortgeschritten, dass Prothesen direkt vom Gehirn des Nutzers aus gesteuert werden können. Der Ausdruck kompletter, funktionstüchtiger Organe ist nur noch eine (sehr kurze) Frage der Zeit.

Soweit ein kurzer Überblick, über aktuelle Entwicklungen in Medizin, Lebenserwartung und Langlebigkeit. Auf meinem YouTube Channel „WolfgangGehrerTV“ habe ich in den Playlists eine Menge Videos eingefügt, die den jeweiligen aktuellen Stand der Technik abbilden. Die Playlists werden ständig aktualisiert und angepasst, es lohnt sich also den Kanal zu abonnieren und hier öfter rein zu schauen.

Die Frage ist also nicht so sehr „Wird das alles kommen?“ – das wird es auf jeden Fall. Die eingangs erwähnte Formel zur Berechnung der Lebenserwartung ist eher vorsichtig geschätzt. Die Frage ist also eher „Wie gehen wir damit um?“ „Was machen wir mit so viel Zeit“ „Wie planen wir, wenn wir viel mehr Zeit und Gesundheit zur Verfügung haben, als wir dachten?“

… aber das wird ein ganz eigener Artikel – oder um es in Filmsprache zu sagen: Das ist eine andere Geschichte 🙂

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