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MilStrat4U – Militärische Strategien für Deinen Erfolg

Der nachstehende Text war ursprünglich Teil eines Handouts für einen Workshop unter dem Überbegriff „WIRKSAMKEIT – Militärische Strategien für Deinen Erfolg“. Die Inhalte passen aber auch hervorragend zu LEADERSHIP, weshalb ich den Text ungekürzt, unbearbeitet und un-lektoriert 🙂 hier online stelle.


Jedes Jahr bewerben sich Unmengen junger Männer und Frauen, um Mitglied einer Spezialeinheit innerhalb der Streitkräfte zu werden. Egal ob SAS, Special Forces, Marines, Einzelkämpfer, Kampfschwimmer, SEK/M oder Navy SEALS, der Zustrom ist gewaltig. Aber warum ist das so?

Weil dort viel Geld zu verdienen ist? Eher weniger. Weil der Job easy ist? No, Sir. Wegen des 13. Jahresgehaltes oder besonders großzügigem Umgang mit  Urlaubstagen? Auch nicht. Ist dafür die Aufnahme leicht und der Job leicht zu bekommen? Njet, die Aufnahmetests sind legendär. Nur 3-5% Prozent der Bewerber bestehen die Tests und kommen in die engere Auswahl. Jetzt mag der eine oder andere Arbeitgeber daran verzweifeln, wie er seinen eigenen Betrieb derart lukrativ gestalten könnte, d

ass die zukünftigen Mitarbeiter sich darum reißen würden, einen lebensgefährlichen, anstrengenden  Job gegen geringe Bezahlung machen zu dürfen, aber darum geht es hier nicht.

Die Motivation der einzelnen Bewerber zu klären ist eher ein Auftrag für einen Psychologen, aber eines spielt darin auf jeden Fall mit: Die Mitglieder einer Spezialeinheit lernen Wirksamkeit. Sie lernen auf einem sensationell hohen Niveau Resultate zu erzielen, gegen Widerstände aller Art. Ist das nicht etwas, was jeder von uns auch gerne tun würde? Resultate erzielen? Sensationell wirksam sein in den Bereichen des Lebens, die uns wichtig sind?

Mal sehen, welche Vorgehensweisen der Profis wir für uns Zivilisten adaptieren können. Militärische Strategien haben einen unglaublichen Vorteil: Sie werden auf dem Schlachtfeld erprobt. Jemand der versucht, etwas zu tun, das nicht funktioniert kommt nicht wieder zurück und kann den Quatsch auch nicht weitergeben. Das klingt vielleicht hart, aber manchmal wünschte ich mir, mancher „Coach“ müsste durch eine ähnliche Prüfung gehen. Die Ausbildung der Spezialeinheiten unterscheidet sich in den verschiedenen Ländern nur minimal. Die wesentlichen Grundzüge sind immer gleich, was ziemlich logisch ist. Sehen wir uns zuerst den Grundaufbau an:

Die Bestandteile: Mission, Ziel(e), Operations, Skills.

Militärische Strategien MilStrat

MISSION

Die Mission schwebt über allem. Sie verkörpert den Zustand, den es zu erreichen gilt. Sie ist am ehesten zu vergleichen mit einem Gefühl oder einem Wert. Wenn die Mission erfüllt ist, werden sie das eher spüren, als sehen oder hören. So etwas wie Freiheit, Glück, Unabhängigkeit, Gemeinsamkeit, Partnerschaft.

Manche würden es vermutlich auch eine Vision nennen. Viele militärischen Einheiten definieren ihre Mission als „Die Freiheit der westlichen demokratischen Staaten und Ihrer Bündnispartner zu verteidigen“ oder etwas ähnlich klingendes. Wenn es eng und hart wird, ist es wichtig, dass sie ein höheres Ziel haben und für ein Wertesystem eintreten. Für Ihre persönliche Freiheit, für Ihre Familie usw. Ein starkes Warum bringt sie durch schwierige Zeiten. Nehmen Sie sich die Zeit. Jetzt sofort.

Ein Blatt Papier und ein Kugelschreiber reichen völlig. Schreiben Sie es auf. Was ist Ihre Mission? Inwieweit kommen Ihre wichtigsten Werte darin vor? Familie? Karriere? Freiheit? Geld? Erfolg? Anerkennung? Macht? Nächstenliebe? Partnerschaft? Loyalität? Liebe? Reisen? ? ? ?

ZIEL(E)/ Teilziele

Um letztendlich die Mission zu erfüllen sind greifbare Ergebnisse erforderlich. Hier stehen die Zahlen und Fakten. Das Ziel kann ein einziges sein oder mehrere voneinander abhängige Ziele. Im Falle von z.B. finanzieller Unabhängigkeit steht hier ein fixer Betrag. Ein bestimmtes jährliches Einkommen oder ein erforderliches Nettovermögen. Heißt die Mission „Familienglück“ stehen hier die einzelnen Teilziele. Evtl. erstmal „Partnersuche“ oder eine detaillierte Beschreibung Ihres Traumhauses. Hier legen Sie sich fest. Woran erkennen Sie, dass sie auf dem richtigen Weg sind, Ihre Mission zu erfüllen?

Richtig, weil Sie Ihren Zielen, Ihrem Ziel näher kommen. Weil Sie Teilziele erreichen. Machen Sie die Teilziele klein. Das ist schneller zu erreichen, gibt ein gutes Gefühl und motiviert Sie weiter zu machen. Sie haben Schulden? Ihr Ziel heißt also „schuldenfrei sein bis 00.00.0000.“ Ihre Teilziele sind die offenen Rechnungen.  Ein Tipp, zahlen Sie die kleinste Rechnung sofort (Teilziel Nr.1). Vergessen Sie die Zinsen. Was klingt besser und motiviert mehr: Eine offene Rechnung über 85,00 Euro bezahlt, abgehakt und ein Teilziel erreicht, oder 85,00 € von 5000,00 € angezahlt? Bringen sie sich selbst auf Spur. Intelligente Zielsetzung ist ein Teil davon.

MilStrat4U Army Gehrer Militärische Strategien

OPERATIONS

Ops sind die einzelnen Aktionen, die erforderlich sind, um die definierten Ziele (oder das Ziel) zu erreichen. Jede erfüllte Op bringt sie ihrem Ziel einen deutlichen Schritt näher. Tut es das nicht war es weder eine erfolgreiche, noch eine erforderliche Operation. Eine Op könnte z.B. sein, sich nebenberuflich ein zweites Standbein aufzubauen, um schneller finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Um das Teilziel „Partner finden“ zu erreichen, könnte die Teilnahme an entsprechenden Veranstaltungen, wie „Ü30-Party“ oder „Speed-Dating“ jeweils eine Op sein. Die Suche bei einem Partnerportal im Internet könnte eine weitere Op sein. Haben sie gesundheitliche Ziele, könnte ihre erste Op lauten „Trainerschein machen“, um zukünftig ihr Training selbst zu gestalten und mehr Kontrolle über ihre Fitness zu bekommen. Innerhalb einer Op sind die Parameter genau definiert.

Im Umfeld militärischer Strategien könnte das z.B. so aussehen: Op „Takeout“! Dringe in feindliches Gebiet ein, erledige den Terroristenchef, keine weiteren Opfer/Zielpersonen, verlasse das Feindgebiet unauffällig und kehre zurück. Die Op „Takeout“ dient dem Ziel, den Terroristen die Führung zu nehmen. Weitere Ops dienen dem gleichen Ziel. Soweit, so gut. Jetzt kommt aber noch Präzision und Wirksamkeit hinzu.

Das bedeutet im obigen Auftrag: Erledige den Chef. Nicht irgendeinen der gerade da rum steht. Auch nicht  einen anderen, der besonders fies aussieht oder gerade etwas gemeines tut. Diese Op ist genau definiert. Klingt banal oder? In unserem Kontext bedeutet das aber zum Beispiel: Teilziel „Traumpartner finden“. Die erste Op dazu: „Ü30“. Sie haben also vorher genau definiert, wie ihre Zielperson/TraumpartnerIn aussieht. Groß, blond, schlank, lange Haare, Kumpeltyp, Nichtraucher(in), um ein Klischee zu bemühen. Das hat aber Konsequenzen. Erstens: Sie reden mit jeder Frau, die in dieses Schema passt. Mit jeder. An diesem Abend. Das ist Ihre Operation. Versauen sie es nicht. Alles Wolfgang Gehrer Militärische Strategien Missionandere = Operation nicht erfüllt. Dann können sie auch gleich zu Hause bleiben. Wenn die sexy, kurz- und dunkelhaarige Raucherin  auch noch so offensichtlich zu haben wäre: Finger weg. Deswegen sind sie nicht hier (nicht irgendeine umlegen, sie erinnern sich?). Nein, auch nicht wenn sie doch schon mal hier sind. Sie sind dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren und die gesamte Mission zu gefährden. Sie verstehen jetzt die Konsequenzen, die sich aus einem derartigen Vorgehen zwingend ergeben?

Beim Ziel „Finanzielle Unabhängigkeit“ bedeutet das ebenfalls Wirksamkeit. Op „Nebeneinkommen schaffen“ ist definiert mit: Mach dich nebenberuflich selbständig, investiere 10 Std/Woche, verdiene damit innerhalb von x Tagen Betrag x. Das bedeutet aber auch: Egal ob es Spaß macht oder nicht, wenn es nichts einbringt wechseln wir die Branche. Die Op hieß auch nicht „Freunde finden“ oder „Abendstunden rumkriegen“. Haben sie sich auf einer launigen Nebenbeschäftigung festgefressen, die zwar Spaß macht, aber leider wenig einbringt, sind sie wieder einmal dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren und die Mission zu gefährden. Stellen sie sich wieder den militärischen Kontext vor. Der Rückkehrer von OP „Takeout“ berichtet seinem Vorgesetzten: Ich habe zwar den Terroristenchef nicht erwischt, aber dafür drei andere umgelegt. Die Anerkennung dafür dürfte überschaubar sein. Ebenfalls nicht denkbar: Wir haben zwar den Terroristenchef nicht unschädlich gemacht, aber wir hatten wirklich eine tolle Zeit, wir fühlen uns im Team jetzt soviel verbundener und hatten viel Spaß.

Die Operation wird definiert, gestartet und akribisch abgearbeitet. Unabhängig von äußeren Umständen. „Failure is no Option“, wie die Profis sagen. Im Falle der Militärs würden die Op-Mitglieder nicht auf die Idee kommen, nach Hause zu fahren, bevor die Aufgabe gelöst ist. Im Sinne von: „Habt ihr ihn unschädlich gemacht?“ – „Nein, da war gerade niemand zu Hause“ oder „Nein, wegen schlechtem Wetter sind wir erst gar nicht los“.

Operation starten bedeutet Operation erfüllen. Das heißt aber auch: Gegen alle Widerstände. Wenn ihre Op beinhaltet, bis zum Ende des Monats einen bestimmten Umsatz zu generieren, dann bleiben sie dran bis zum 31. um 23:59:59 Uhr. Sie vereinbaren weitere Termine, telefonieren mit Kunden usw. Wenn ihr Telefon streikt nehmen sie das ihres Nachbarn, wenn ihr Fax ausfällt gehen sie in ein Hotel und bitten darum deren Fax benützen zu dürfen usw. Sie verstehen? Failure is no Option. Die Spezialeinheiten sind unter anderem deshalb so erfolgreich, weil sie sich ein anderes Mind-Set antrainiert haben. Sie suchen nach Möglichkeiten die Op zu erfüllen, nicht nach Ausreden die Op zu beenden. Ihre Ausrichtung ist nicht: „Wie komme ich schnellstmöglich aus dieser unangenehmen Situation und wie könnte ich es begründen?“, sondern: „Wie kann ich die Op doch noch erfolgreich beenden?“

Army Skills Workout gehrer

SKILLS/ Fähigkeiten

Um die Ops erfüllen zu können, benötigen sie bestimmte Fähigkeiten. Diese ergeben sich direkt aus dem Ziel und den Parametern der Ops. Hier entsteht eine Liste der Fähigkeiten, die sie sich aneignen oder in denen sie sich verbessern müssen. Je nach Mission und Ziel kann das eine große Bandbreite umfassen. Von Verkaufsfähigkeiten für den Nebenjob über sportliche Fähigkeiten bis hin zu Smalltalk- oder Konversationstechniken für die Ü30 Op. Sie wollen im Ausland arbeiten? Dann wäre die dortige Sprache eine weitere Fähigkeit, die es zu erwerben gilt. Sie stehen auf blonde Schwedinnen? Wie wäre es mit Grundkenntnissen in schwedisch? Bei der Op „Take-Out“ wird für „Dringe in feindliches Gebiet ein“ hier vielleicht die Fähigkeit ein Schnellboot zu lenken erforderlich sein oder Fallschirmspringen.

Bei Skills geht es um Fähigkeiten, nicht um weitere Ziele. Es ist egal, ob sie Schwimmen, Joggen oder Rudern, um mehr Ausdauer zu bekommen. Es ist auch egal, ob sie ein Seminar besuchen, ein Buch lesen oder eine CD hören, um verkaufen zu lernen. Es geht um Fähigkeiten. Natürlich beobachten sie ihre Fortschritte, natürlich laufen sie mit der Zeit immer schneller, aber nicht, um ein Wettkampfläufer zu werden oder um einen bestimmten Rekord (das wäre ein weiteres Ziel, kein Skill) zu brechen.

Dieser Bereich versetzt sie in die Lage ihre Ops erfüllen sie können. Das endet nie. Spezialeinheiten hören nie auf besser zu werden. Dass sie mittlerweile schneller laufen, als die anderen in ihrem Sportverein und sie besser englisch können, als ihre Altersgenossen ist nur eine Nebenerscheinung. Wenn sie Ihren Bauch loswerden wollen, ist die Platzierung bei beim nächsten Stadtmarathon nebensächlich. Sogar die Teilnahme alleine kann kontraproduktiv sein, wenn sie sich dann mehr auf ihre Laufzeiten konzentrieren und über Platzierungen nachdenken, statt sich auf Kalorienverbrauch und Körperfettanteil zu fokussieren. Konzentrieren sie sich auf Ihre Ziele.


Meta-Strategie:

Jetzt wird es endlich einfach. Hier liegt auch die sensationelle Wirksamkeit der Spezialeinheiten begründet. Sie wissen genau was sie tun, wann sie es tun und wofür sie es tun. Nachdem sie Ihre Mission erklärt haben, entsteht daraus Ihr(e) Ziel(e). Nun erstellen sie Operationen, die zu Ihrem Ziel führen. Wenn alle Operationen erledigt sind, muss ihr Ziel erreicht sein. Nun unterteilen sie ihre verfügbare Zeit (Je nachdem ob sie angestellt sind oder selbständig kann das stark variieren) in drei Segmente:

Freetime – ist einfach freie Zeit für Erholung, Schlaf, Entspannung

Trainingtime – bedeutet sie arbeiten an Ihren Fähigkeiten

Actiontime – Op-time, arbeiten sie ihre Ops ab

Halten sie sich an die Vorgaben. Mischen sie das nicht. Wenn Sie sich im „actiontime“-Modus befinden um die Op „Partnersuche, Profil anlegen im Internet“ gerade abzuarbeiten, wechseln sie nicht zu „freetime“ und surfen ein bisschen herum. Auch nicht zu einer anderen Op. Arbeiten sie ihre Op mit militärischer Präzision ab (Das heißt nicht umsonst so), erst dann wechseln sie die Op oder die „time“.


Tipp:

Kreieren sie ein verbales Kommando für sich und trainieren sie sich darauf sofort anschließend mit der Ausführung der Op zu beginnen. So etwas wie „showtime“, „Los geht’s“, „Action“. Sagen sie es laut und deutlich. Ihr Körper und ihr Geist gewöhnen sich daran und zukünftig wirkt ihr Startkommando wie ein Startschuss.


Schlusswort:

Das war bisher nur ein kleiner Einblick in die Welt der Spezialeinheiten. Für einen Neueinsteiger ist das auch mehr als genug. Definieren sie ihre Mission, legen sie Ihre Ziele fest, planen sie Ihre Operationen. Wenn sie die oben genannten Abläufe einhalten werden ihre Erfolgsraten dramatisch ansteigen. Umgangssprache und flapsige Formulierungen sind übrigens Absicht. Nutzen Sie Militärische Strategien. Freuen sie sich auf einen aufregende Zeit. Wie mein Freund Barney sagen würde: „Das wird legendär.“

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