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Unternehmens-Erfolg als Nebeneffekt – Die Macht der Umgebungen und Bedingungen

In meinem Mission Statement spreche ich von „Bedingungen und Umgebungen“ die wir neu erschaffen, anpassen und entwickeln werden/ müssen, um den Anforderungen der zukünftigen Work-World gewachsen zu sein.

Savanne GrowthAktuell bewegen wir uns noch in einer Welt, die voll ist von Überbleibseln aus der Vergangenheit. Wir sind schon lange keine Jäger mehr und viele der Metaphern die es dazu gibt, führen zu falschen Verhaltensweisen. Ein Vertriebsmitarbeiter, der sich selbst als Jäger und seine Kunden als Beute sieht, wird wohl kaum eine wirklich echte, belastbare Beziehung zu seinen Kunden aufbauen. Menschen sind hochgradig sensibel wenn es um zwischenmenschliche Aspekte geht und merken schnell wenn sie die Beute und nicht der Partner sind.

Wir benutzen immer noch Formulierungen wie „Gewinner“ und „Siegertyp.“ Dabei liegt das Hauptaugenmerk darauf den „Gegner“ zu besiegen. Dabei ist es einfach nur ein Frage der Ausrichtung. Beschäftige ich mich im Wesentlichen mit meinen Mitspielern? (und verbrauche dabei meine Ressourcen), oder konzentriere ich mich auf meine eigenen Vorhaben und Langzeitziele … und ziehe dabei ganz beiläufig auch an anderen vorbei.

Viele dieser Vorstellungen kommen noch aus der Zeit, als Gordon Gekko im Film „Wall Street“  demonstrierte, wie viel Geld sich verdienen lässt, wenn man nur skrupellos und kalt genug ist.  Oliver Stone wollte mit diesem Film eigentlich die Missstände an der Wall Street anprangern, aber er erschuf dabei unabsichtlich das Leitbild der 90er Jahre. Menschen zu opfern und zu entlassen, um die Quartalszahlen zu retten ist zutiefst 90er, wird aber auch heute noch fleißig praktiziert.

Dabei geht es hier nicht nur um die Schicksale derjenigen die entlassen wurden, sondern auch um die Botschaft, die an die verbleibenden Mitarbeiter gesendet wird. Nein, sie werden sich nun nicht mehr anstrengen um ihren Job zu behalten. Sie werden sich zurückziehen, Informationen zurückhalten, Dienst nach Vorschrift machen, sich nichts mehr trauen, versuchen nicht aufzufallen und ängstlich darauf hoffen, dass es sie nicht erwischt, wenn die nächste Runde „Menschen gegen Zahlen“ gespielt wird. Sie mutieren damit zum Gegenteil eines produktiven, engagierten Mitarbeiters.

In den Zeiten von flachen Hierarchien und Teamwork werden die Hardcore Bosse nicht sehr weit kommen. Niemand erschafft außergewöhnliche Dinge, wie in den Artikeln zu den Schlüssel-Technologien ausgiebig beschrieben, im Alleingang. Hier sind Teams von hochqualifizierten Menschen am Werk, die sich nicht länger wie ein Rudel Schlittenhunde behandeln lassen.

Die alte Gang-Mentalität „Hau erstmal jedem eine aufs Maul, damit klar ist, wer hier der Chef ist“ funktioniert schon lange nicht mehr. Die Führungskräfte der Zukunft benötigen ein völlig anderes Skill-Set als ihre Vorgänger.

Die Idee, immer mehr Druck zu erzeugen über KPIs, Umsatzvorgaben usw. setzt das Ziel auf der falschen Seite der Gleichung. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass alle Umgebungen, in denen Menschen miteinander interagieren gleich funktionieren. Einfach weil Menschen immer gleich funktionieren. Deshalb ist es kein großer Unterschied, ob wir Unternehmen, Vereine, Stämme oder Familien betrachten. Eine prosperierende Familie, in der alle glücklich und erfolgreich (im besten Sinne) sind, zeichnet sich in erster Linie durch den Umgang miteinander aus, nicht durch hoch gesetzte Vorgaben, Druck und drängende Erwartungen.

Genauso ist es auch in Unternehmen. Hohe Umsätze, gute Verkaufszahlen, niedrige Fluktuationsraten sind ein automatisches Ergebnis einer funktionierenden, modernen Unternehmenskultur, keine von außen vorgegebenen fixen Ziele, die auf jeden Fall, um jeden Preis, erreicht werden müssen.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Buckminster_Fuller

Buckminster Fuller beschreibt in seinem Präzessionsgesetz, auch als Gesetz der Nebeneffekte bekannt, unter anderem wie eine Konzentration auf die „richtigen“ Auslöser erwünschte Effekte praktisch im vorbei gehen erzeugt. Er nimmt als Beispiel die Bienen. Die Bienen wollen so viel Honig wie möglich sammeln. Dabei werden Sie von den Blumen angezogen. Es entsteht ein sehr bedeutender Nebeneffekt. Die Bienen bestäuben die Blüten, da die Pollen an ihren Beinen und am Körper hängenbleiben. Ein Nebeneffekt, der für uns und die Natur ums uns herum lebensnotwendig ist. Trotzdem ist es nicht der Fokus der Bienen, möglichst viele Blumen zu bestäuben, sie erledigen das sozusagen im Vorbeigehen bei ihrem Bestreben, möglichst viel Honig zu ergattern.

Analog dazu funktionieren alle Konstrukte in denen Menschen zu Gange sind, Vereine zum Beispiel, oder Unternehmen. Menschen wollen Umgebungen und Bedingungen, in denen sie sich sicher, gefördert, wertgeschätzt und unterstützt fühlen. Dann werden sie kreativ, leistungswillig und erfolgreich in ihrem Bereich. Umsatz, Unternehmenserfolg, Innovation, alles was ein florierendes Unternehmen kennzeichnet, passieren auf diesem Weg als Nebeneffekt. Diese Dinge werden nebenbei erzeugt, wie das bestäuben der Blumen bei den Bienen, obwohl die Konzentration bei den Bedürfnissen der Menschen liegt. Wenn die Bienen nun animiert werden, mehr Honig zu sammeln, bestäuben sie mehr Blumen. Wenn Unternehmen sich mehr auf Menschen und ihre grundlegenden Bedürfnisse  konzentrieren, erzeugen sie mehr Erfolg.

Jedes Lebewesen beginnt zu wachsen und zu gedeihen, sobald die Umweltbedingungen stimmen. Auf einer sehr einfachen Ebene meinen wir damit die richtige Temperatur (keine Eiszeit, aber auch keine Wüste), das Vorhandensein von Wasser und Nahrung, ein sicherer Unterschlupf und andere Lebewesen der gleichen Spezies.

Das gilt analog aber auch für unser Arbeitsumfeld, die Umgebung hat wesentlich mehr Einfluss auf uns, als wir uns das oft vorstellen können. In einer feindlichen Umgebung wird sich niemand entfalten, engagieren oder kreativ werden, er wird sich schützen, einigeln und verteidigen. Inwieweit das Umfeld Menschen beeinflusst, zeigt eine Begebenheit aus dem Vietnam-Krieg.

Viele der Soldaten, welche in Vietnam im Einsatz waren, kamen mit Drogen in Kontakt. Nicht „nur“  Marihuana, sondern auch Opium und andere harte Drogen. Die Drogen waren leicht verfügbar, der Konsum nichts Besonderes (viele taten es) und die Umgebung extrem stressig. Das Problem wurde so groß, dass die Nixon-Regierung ein Anti-Drogenprogramm für die Heimkehrer zusammenstellte. Aber sobald die Soldaten heimkehrten, in ihre Heimatgemeinden, in ihr gewohntes Umfeld, zu ihren Familien und Freunden geschah etwas Erstaunliches. Der Großteil hörte einfach wieder auf Drogen zu konsumieren. Das Umfeld war hier deutlich weniger stressig, die Drogen schwerer verfügbar und die Freunde und Familien keine Co-Konsumenten.

Auf einer banalen Ebene kennen wir Verfügbarkeit von Süßigkeiten, wenn welche da sind greifen wir zu. Erst Recht unter Stress. Bei einem stressigen Meeting, oder einem anstrengenden Seminar greifen auch die normalerweise selbstbeherrschten Teilnehmer zu und stürzen sich auf die Snacks. Hier wirken zwei Punkte: Stress und Verfügbarkeit. Niemand würde loslaufen und sich Schokoriegel holen, aber wenn sie auf dem Tisch stehen und dann der Stress einsetzt greifen wir zu. Verfügbarkeit alleine reicht manchmal schon aus, z.B. bei Süßigkeiten und anderen Snacks, welche abends beim Fernsehen auf dem Tisch stehen. Wenn sie da sind, werden sie auch gegessen.

Noah Barista KaffeeSimon Sinek erzählt in seinen Vorträgen ein weiteres schönes Beispiel über die Macht der Umgebung. Er war in Las Vegas unterwegs und wohnte im Hotel „Four Seasons.“ Im Foyer des Hotels war ein Kaffeestand aufgebaut. Simon holte sich einen Kaffee und war ganz begeistert vom Engagement des Baristas. Er gab ihm ein großzügiges Trinkgeld und verwickelte ihn in ein Gespräch um heraus zu finden, warum er so begeistert bei der Sache war. Noah, so hieß der Kaffee-Künstler, erzählte Simon von seinem Arbeitsumfeld. Alle seine so freundlich zu ihm. Alle unterstützen ihn in dem was er macht, sogar die Manager fragen ihn, ob er noch etwas braucht um seinen Job möglichst gut machen zu können. Er fühle sich erfüllt und sicher und arbeite gerne hier im „Four Seasons.“

Im weiteren Verlauf des Gesprächs stellte sich heraus, dass Noah nicht nur im „Four Seasons“ als Barista arbeitet, sondern auch im „Caesars Palace.“ Seine Mine verfinstert sich wenn er davon spricht, offensichtlich arbeitet er dort deutlich weniger gerne. Simon fragt nach. Dort habe er Angst vor den Managern, ständig überprüfen sie ihn und sagen ihm was er alles falsch macht und wie er es stattdessen machen soll. Er ist froh, wenn sie ihn ignorieren und in Ruhe lassen. Er versucht möglichst nicht aufzufallen. Er fühlt sich unsicher und bringt den Tag dort einfach hinter sich.

Interessant oder? Zwei Verhaltensweisen, aber derselbe Kerl. Umgebungen und Bedingungen bestimmen Erfolg bei weitem öfter, als die Person an sich. Dieselbe Person in einer anderen Umgebung blüht auf, wird leistungsfähig und leistungswillig. Deshalb ist es zukünftig so wichtig jemand zu sein (als Unternehmer, oder als Führungskraft), der eine „Four Seasons“ Umgebung generieren und erhalten kann.

Wenn sich die Dinge wirklich so entwickeln, wie im Artikel „exponential growth“ beschrieben, dann haben wir eine komplett neue (Arbeits-) Welt innerhalb der nächsten ca. 10 Jahre. Was bedeutet das nun in den verschiedenen Bereichen der Wirtschaft, in den Unternehmen, bei den Führungskräften und bei den Mitarbeitern der Zukunft? Das werden wir uns in weiteren Blogartikeln genauer ansehen.

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