BlogartikelLEADERSHIP

„Wachsen und verzweigen“ Wie einfache Regeln uns helfen mit komplexen Situationen umzugehen

Der Aufbau dieses Blogs folgt der Idee, eine gute Übersicht und Lösungsansätze zu bekommen, um mit zukünftigen Entwicklungen gut umgehen zu können und die dafür erforderlichen Umgebungen und Bedingungen zu schaffen. Dazu muss nicht jeder zum IT oder Technikspezialisten werden. Ein gewisses Grundwissen und einfache Regeln reichen aus, um die generelle Entwicklung zu verstehen und eine sinnvolle Strategie zu entwickeln. Gerade wir Deutschen tun uns mit dieser Vorgehensweise oft schwer. Wir neigen dazu möglichst viel Information zu sammeln und speichern zu wollen, um dann eine vermeintlich bessere Entscheidung treffen zu können. Das trifft aber nur bis zu einem gewissen Punkt zu, ab dann hindert uns dieses immer mehr Wissen zu sammeln eher am Handeln, als dass es noch weiter hilfreich wäre. Um es mit einem einfachen Beispiel zu sagen: Natürlich brauchst du ein gewisses Grundwissen, um ein Auto fahren zu können. Du musst aber kein Kfz-Mechaniker werden, um ein besserer Autofahrer zu werden und ein Maschinenbau-Studium macht dich zum Ingenieur, nicht zum Rennfahrer.

Nach der Orientierungsphase in der FutureDev Kategorie, werden wir uns in diversen anderen Artikeln mit passenden Lösungsansätzen beschäftigen. Diese folgen einem sehr erfolgreichen Konzept: KISS oder Keep it simple stupid. Speziell wenn die Umgebung komplex und angsteinflößend ist, sollten Lösungen leicht verständlich und einfach umsetzbar sein. Dieser Ansatz kommt, unter  anderem, von militärischen Spezialeinheiten, wie z.B. den Navy SEALS. Ist also durchaus erfolgserprobt und vielfach in der Praxis getestet.

Die Natur liefert uns Vorbilder für dieses Prinzip. Ein Baum der sich entwickelt, folgt nur zwei Regeln: Wachsen und verzweigen. Das ist was er immer wieder tut. Er wächst ein Stück, dann verzweigt er sich. Dann wächst er wieder, unten in die Breite, nach oben in die Länge. Dann verzweigt er sich wieder. Das würde einen sehr symmetrischen Baum ergeben,  nun kommen noch die Umwelteinflüsse dazu. Mal ist es zu heiß zum Wachsen, dann gefriert es schon im Oktober. Vielleicht schlägt mal ein Blitz ein, oder Waldbewohner nagen die jungen Äste ab. Der Baum heilt die Wunden ab und macht weiter mit Wachsen und Verzweigen, nur eben an den verletzten, verkrusteten Stellen nicht mehr. So entsteht ein Baum wie wir ihn alle kennen.

Auf die ähnliche Art und Weise entstehen Termitenbauten, Ameisenhügel und Bienenwaben. Einfache Lebewesen folgen instinktiv einfachen Anweisungen. Ganz ohne Architekten, Statiker, Projektleiter und Aufsichtsbehörden. Würden wir die Anweisungen für den Baum, wachsen und verzweigen, in eine Computersimulation eingeben und zusätzlich die Umwelteinflüsse mit einem Zufallsgenerator simulieren, dann bekämen wir ein sehr realistisches Bild eines Baumes, oder eines ganzen Waldes. Das alles basiert aber nur auf einer sehr einfachen Anweisung: Wachsen und verzweigen.

Ein Beispiel hierfür kommt aus der Welt der bereits erwähnten Spezialeinheiten. Die meisten Menschen kennen den Leitspruch: „Keiner wird zurück gelassen.“ Damit ist einerseits die mutige Grundhaltung gemeint, auch unter schwierigsten, gefährlichsten Bedingungen keinen Mann zurück zu lassen. Aber das Ganze hat auch eine praktische Seite, nämlich die Frage „Wie lässt sich das organisieren?“ Die Lösung ist, wie erwartete, wieder einmal sehr einfach. Jeder kümmert sich um den Mann links und rechts von sich. Wenn das wirklich jeder macht, wird jeder von mindestens zwei anderen Personen beschützt. So wird sichergestellt, dass niemand vergessen, oder übersehen und alleine zurück gelassen wird.Blog Artikel Spartaner einfache regelnDie Idee mit dem Nachbarn zur rechten und zur Linken geht zurück auf die alten Spartaner. Seit dem Hollywood-Blockbuster „300“ wesentlich bekannter als zuvor. Die Story des Films basiert auf einer wahren Geschichte. Herodot berichtet sehr ausführlich von der Schlacht bei den Thermopylen, während der Perserkriege im Sommer 480 v. Chr. Als die Kerntruppe von 300 Spartanern (begleitet von weiteren Heeresteilen und Verbündeten ca. 5000 Mann stark, aber trotzdem zahlenmäßig heillos unterlegen) auf König Xerxes trafen, der ein Heer von (je nach Quelle) zwischen 250.000 und weit über einer Million Soldaten anführte. Die Griechen waren auf jeden Fall weit überlegen und die legendäre Schlacht der 300 im Engpass des Kallidromos-Gebirges hat so tatsächlich stattgefunden. Von den Geschichtsschreibern bestimmt ein bisschen ausgeschmückt, aber im Kern eine wahre Geschichte.

Was aber war nun das Geheimnis der unheimlichen Kampfkraft der 300 Spartaner? Ihre Waffen, also die Machart der Schwerter und Speere? Ihr legendäre Kraft und Ausdauer, die sie von Kindheit an trainierten und kultivierten? Ihr Kampfgeist, ihr Selbstverständnis als unbesiegbare Spartaner? Nichts, davon. Das alles ist natürlich Teil einer erfolgreichen Spezialeinheit (so würden wir die 300 wohl heute nennen) Aber das Geheimnis lag woanders, nämlich in den Schilden und den Männern dahinter. Jedem Spartaner wurde von klein auf eingebläut, dass der Schildwall die stärkste Waffe der Spartaner sei. Das jeder Mann unbedingt seinen Schild halten müsse und eine starke Verbindung zu dem Mann links und dem Mann rechts von sich selbst. Das der Wall nur stark sei, wenn diese Verbindung stark sei. Die Schlüsselregel zur Kampfstärke der 300 Spartaner lautete also: Kümmere dich um den Mann links und rechts von dir, um jeden Preis, zu jeder Zeit. Das kommt uns bekannt vor oder?

Diese einfache Regel ist aber nicht nur ein interessantes Phänomen für Fans der 300, oder für Mitglieder der modernen Spezialeinheiten, sondern auch ein gutes Beispiel für die weiter oben beschriebene Idee mit den einfachen Regeln. Ganz nebenbei hat diese beispielhafte Geschichte mit dem Mann links und rechts von einem selbst einen praktischen Hintergrund. Ich verwende das regelmäßiblog wolfgang gehrer mannschaft teamg für Führungskräfte-Trainings. Wie ist es zu schaffen, eine neue Kultur von z.B. Loyalität in Unternehmen zu installieren, wenn das bisher nicht unbedingt deren Stärke war?

Wir verwenden die oben erklärten Ideen. Die neue Anweisung lautet: Kümmere dich um den Mann (natürlich auch die Frau – um das auch mal gesagt zu haben) … Kümmere dich um die Person links und rechts von dir. Ich meine wirklich kümmern. Als ob es dein Bruder oder deine Schwester wären. Menschen blühen auf, wenn sie sich sicher, beschützt und gesehen fühlen. Wenn jeder sich um seinen Kollegen, seine Kollegin links und rechts kümmert, nur diese beiden Personen, dann hat jeder in dieser Firma plötzlich zwei loyale Waffenbrüder. Das Schöne daran ist, jeder kann damit anfangen, völlig egal ob Führungskraft, Chef, Vorstand oder Sachbearbeiter. Links und rechts ist dabei nicht wörtlich gemeint, über- oder unterhalb geht auch. Auch dein Abteilungsleiter, oder dein direkter Untergebener kann diese Person sein. Aber, wenn jeder dieser einfachen und leicht verständlichen Anweisung folgt, dann läuft das durchs Unternehmen wie ein Schneeballsystem. Diese Lawine der Loyalität muss noch nicht mal von der Führungsebene aus gestartet werden. Ein gutes Beispiel für einen praktikablen, einfachen, wirksamen Lösungsansatz, genau davon werden wir, für unseren Kontext, noch viel mehr erschaffen.

Mehr zum Thema

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.