Was ist ein innovativer Maßstab für Unternehmenserfolg?

Innovationen zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine komplett neue Sichtweise einnehmen und bestehende Systeme, Abläufe und Bewertungen in Frage stellen und neue denken. Warum sollte das nicht auch bei der Definition von Unternehmenserfolg möglich sein?

Bisher sind die gängigen Maßstäbe von überschaubarer Güte. Als einfachstes Mittel um Unternehmenserfolg zu messen nutzen wir die gängigen Parameter der Finanzwirtschaft: Umsatz, Gewinn, ROI, Shareholder Value, usw. Vielleicht noch die Anzahl der Mitarbeiter, oder die Menge der verkauften Produkte, was letztlich auch wieder ein Ausdruck der bekannten finanziellen Parameter ist. In einem eher imagelastigen Kontext kommen dann noch Dinge wie ein repräsentatives Firmengebäude, oder die schwindelerregenden, imposanten Einkommen der Führungsebene dazu. Schon strahlt das Unternehmen aus jedem Winkel.

Das erinnert ein bisschen an unserem Festhalten am Bruttosozialprodukt als Maßstab für den Erfolg einer Nation. Hier werden, vereinfacht ausgedrückt, einfach alle Umsätze einer Nation zusammen gezählt, je mehr desto besser. Unabhängig davon, wie dieser Umsatz erzielt wurde. Ein heftiger Unfall auf der Autobahn, mit mehreren Verletzen und großem Sachschaden, ist aus Sicht des Bruttosozialproduktes etwas Gutes. Die Kosten für Autoreparatur, Autobahninstandsetzung, Behandlungskosten für Verletzte usw. machen Umsatz. Die Idee, dass so ein Unfall ja eigentlich nichts Gutes ist und idealerweise verhindert werden sollte, taucht in dieser Betrachtung nicht auf.

In beiden Betrachtungen, sowohl beim Bruttosozialprodukt, als auch beim Unternehmenserfolg taucht ein wichtiger Punkt überhaupt nicht auf: Das Glück und Wohlergehen der Menschen. Im Falle des Bruttosozialproduktes gibt es interessante Ansätze hierzu. Bhutan zum Beispiel hat den Glücksindex eingeführt und misst seinen Erfolg am Glück seiner Bürger. Natürlich hat Bhutan auch seine Probleme, aber die Grundidee ist vielversprechend.

Wie wäre es denn nun, auch in Unternehmen das Glück der Mitarbeiter zum Maßstab für Erfolg zu machen?

Die Glücksforschung weiß schon lange, dass es sehr wohl einen Zusammenhang gibt zwischen Einkommen und Glück. Wer nicht weiß, wie er seine Miete zahlen soll, wo die nächste Mahlzeit her kommt, oder womit er eine neue Waschmaschine bezahlen soll, der ist auch nicht glücklich. Andererseits gibt es auch eine Obergrenze, ab der mehr Geld nicht mehr Glück oder Zufriedenheit bedeutet. In unserem Kontext interessiert hier eher die Untergrenze. In Westeuropa liegt diese, je nach Studie, ungefähr bei 50/ 60.000.- Euro Bruttojahresverdienst.

Wie wäre es also, als sensationeller, innovativer Ansatz, den Unternehmenserfolg daran fest zu machen, dass der Mitarbeiter, mit dem geringsten Einkommen im Unternehmen mindestens diesen Jahresverdienst bekommt? Revolutionär oder?

Eigentlich nicht. Es ist schlicht eine Frage der Betrachtungsweise. Jordan Belfort (zugegeben ein schwieriger Charakter), der real existierende Protagonist aus „Wolf der Wall Street“, war sehr stolz darauf, dass in seinem Unternehmen „Straton Oakmont“ die Empfangsdame mehr verdient als die meisten seiner Wall Street Kollegen als Broker. (Angeblich 80.000.-$ im Jahr) Die Motivation liegt hier wohl eher im Bereich Image, Ego und Reputation, aber die Grundidee stimmt. Erst wenn der Schwächste in der Kette gut versorgt ist, ist das Ziel erreicht.

Wie wäre es also, wenn sich Unternehmen als erstes Ziel setzen, das der Mitarbeiter mit dem geringsten Einkommen, immer noch über diesen 50-60.000.- € liegt? Das Glück der Mitarbeiter wirklich in den Vordergrund zu stellen und nicht nur symbolische Gesten. Natürlich gibt es weitere Faktoren für einen glücklichen, zufriedenen Mitarbeiter. Sinnhaftigkeit des Jobs, Feedback, Firmenkultur usw. Aber ich wage zu behaupten, dass eine gute Bezahlung essentiell dafür ist.

Dabei müssen ja Dinge wie Leistung, Ausbildung, Führungsebenen und andere Kriterien nicht komplett ausgeblendet werden. Natürlich gibt es weiterhin gestaffelte Gehälter und die Top-Manager werden weiterhin Top-Gehälter bekommen. Nur die Kurven werden eben flacher. Die Ausrichtung ist jetzt eine andere. Wenn es stimmt, dass eine der befriedigendsten Handlunge überhaupt darin besteht, dafür zu sorgen, dass es anderen Menschen gut geht, müssten die Auswirkungen auf die Führungsebenen sensationell sein.

Noch ein kurzes Gedankenspiel. Wer ist mehr für den Erfolg eines Sterne-Restaurants verantwortlich: Der 3-Sterne-Koch, oder die Putzmannschaft? De koch oder? Nicht unbedingt. Stellen Dir vor, das Essen ist superb, aber leider stinkt es im Lokal nach Toilette. Was würde helfen den Laden wieder auf Spur zu bekommen? Statt dem 3-Sterne-Koch einen 4-Sterne-Koch zu verpflichten? Den 3-Sterne-Koch zu einem 4-Sterne-Koch zu entwickeln? …oder einfach die Putzmannschaft ihren Job machen zu lassen? Jeder trägt seinen Teil zum Gesamterfolg bei, in jedem Unternehmen und das darf auch honoriert werden.

Sollte doch cool sein, für einen Geschäftsführer oder einen Vorstand, vor die Presse treten zu können und mit voller Überzeugung sagen zu können: „Wir haben die Grundlage gelegt um unsere Mitarbeiter glücklich zu machen“ – „Unser erstes Ziel ist es , unseren selbstauferlegten Glücksindex zu schaffen“ – „Unsere Mitarbeiter sind die Stütze unseres Unternehmens, jeder Einzelne, dem wollen wir nun wirklich Rechnung tragen“

Wenn jetzt noch viele Unternehmen in vielen Ländern auf die Idee kämen, diese Überlegungen ebenfalls anzustellen …

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